Trockenbau

Wie planen Sie eine brandschutz- und trittschalldämmende trennwand zwischen zwei wohnungen mit Rigips korrekt?

Wie planen Sie eine brandschutz- und trittschalldämmende trennwand zwischen zwei wohnungen mit Rigips korrekt?

Warum eine brandschutz- und trittschalldämmende Trennwand sorgfältig geplant werden muss

Als Bautechnikerin, die täglich mit Wohnungsabtrennungen arbeitet, weiß ich: eine Trennwand zwischen zwei Wohnungen muss zwei wichtige Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Sie soll im Brandfall die Ausbreitung von Feuer und Rauch verhindern und gleichzeitig den Luftschall und insbesondere den Trittschall so dämmen, dass die Privatsphäre und der Wohnkomfort erhalten bleiben. Diese beiden Anforderungen beeinflussen sich gegenseitig und verlangen eine durchdachte Material- und Detailwahl.

Vorgaben und Normen, die Sie kennen sollten

Bevor Sie mit der Planung beginnen, sollten Sie die geltenden Normen und Anforderungen heranziehen. Typische Bezugspunkte sind:

  • Brandschutz: DIN 4102 (z. B. B-s1,d0 Anforderungen) und die europäische Klassifizierung nach EN 13501 (z. B. EI30, EI60 für Wanddecken-Feuerwiderstand). In Wohngebäuden sind in der Regel mindestens F30- bzw. EI30‑Anforderungen üblich, oft auch höhere Werte je nach Gebäudetyp und Nutzung.
  • Schallschutz: DIN 4109 (Mindestanforderungen an den Schallschutz) sowie die Messgrößen Rw (bewertete Bau-Schalldämmung) und L'n,w (bewerteter Normtrittschallpegel). Gute Trennwände erreichen Rw-Werte von 55 dB und mehr; für gehobene Anforderungen sollten Sie 60 dB anstreben.
  • Planen Sie immer mit den lokalen Bauvorschriften und ggf. mit Vorgaben des Vermieters oder der Hausverwaltung.

    Grundprinzipien einer kombinierten brandschutz- und trittschalldämmenden Trennwand

    Die beste Lösung kombiniert mehrere Schichten und Maßnahmen:

  • Massivität und Dichte: Schwere Schichten oder mehrlagige Beplankungen erhöhen die Luftschalldämmung (Rw).
  • Elastische Entkopplung: Metallständer mit entkoppelten Beplankungen oder Einsatz von Entkopplungsprofilen (z. B. CD-UD-Systeme, oder elastische Streifen) reduzieren Körperschallübertragung (Trittschall).
  • Brandabschottung durch geeignete Baustoffe: Gipskartonplatten mit Brandschutzklasse (z. B. Rigips RF oder GKF-Platten) und mineralische Kerndämmstoffe (nicht brennbar nach DIN EN 13501-1: A1/A2).
  • Fugen- und Durchdringungsdichtung: Rauch- und brandsichere Fugenstreifen, Brandschutzsilikon, Brandschutzmörtel und Abschottung von Installationen vermeiden Schwachstellen.
  • Typische Systemaufbauten (Praxisbeispiele)

    Im Folgenden stelle ich drei praxisnahe Aufbauten vor. Die Werte sind Richtwerte; die endgültige Auslegung erfolgt immer unter Berücksichtigung der Bauvorschriften und nach statischer/prüfbarer Planung.

    System Aufbau (von einer Seite zur anderen) Typische Eigenschaften
    Leichtbau-Doppelständerwand
  • Beplankung: 2x 12,5 mm GKF/Rigips pro Seite
  • Ständerwerk: Doppelständer (2 separate Metallprofile) mit 100 mm Mineralwolldämmung (Rockwool/Roxul)
  • Entkopplung: keine direkte Verbindung der Ständer (Luftspalt 50 mm)
  • Rw ≈ 55–60 dB; EI30–EI60 möglich mit Brandschutzplatten
    Entkoppelte Doppelwand mit Vorsatzschale
  • Beplankung: 2x 12,5 mm GKF pro Wohnung
  • Zwischenraum: 100–150 mm Mineralwolle
  • Entkopplung: schallentkoppelte Lagerprofile / Vorsatzschale
  • Bessere Trittschalldämmung (L'n,w reduziert); Rw ≥ 58 dB erreichbar
    Massive Wand (z. B. Mauerwerk + Vorsatzschale)
  • Massives Mauerwerk (z. B. 100–115 mm Porenbeton/KS)
  • Vorsatzschale mit 2x 12,5 mm GKF + Mineralwolle
  • Sehr gute Luftschalldämmung, aber ggf. Probleme beim Trittschall über Flankierung

    Worauf es bei der Ausführung ankommt

    Die Details entscheiden oft mehr als die Materialwahl. Diese Punkte prüfe ich auf jeder Baustelle besonders sorgfältig:

  • Flankierende Bauteile: Schall und Brand können über Decken, Fußböden und Leitungsführungen umgehen. Entkoppelte Deckenanschlüsse (z. B. mit Mineralwollstreifen und Dichtband) sind entscheidend.
  • Fugen und Anschlüsse: Alle Fugen zur Decke, zum Boden und zu angrenzenden Wänden müssen brandschutztechnisch verschlossen und schalltechnisch abgedichtet werden (z. B. brandschutzsilikon, intumeszierende Bänder).
  • Durchdringungen: Rohr- und Kabeldurchführungen richtig abschotten (Brandschutzmanschetten, Dichtstopfmasse) — diese sind Schwachstellen bei beiden Anforderungen.
  • Türen und Zargen: Wohnungstrennwände sind nur so gut wie ihre Türen. Brandschutz- und schalldämmende Wohnungstüren (z. B. EI30 mit Schalldämmwerten) müssen korrekt in ihrer Zarge abgedichtet und entkoppelt eingebaut werden.
  • Vermeidung von direkten Verbindungen: Vermeiden Sie durchgehende Metallverbindungen, die als Schallbrücke wirken. Verwenden Sie entkoppelte Profile oder Gummistreifen.
  • Materialempfehlungen und praktische Tipps

    In meiner täglichen Arbeit setze ich häufig folgende Produkte ein, weil sie sich bewährt haben:

  • Beplankungen: Rigips GKF (feuerhemmend) oder RF-Platten für erhöhte Feuerwiderstandsklassen. Fermacell-Gipsfaserplatten nutze ich dort, wo erhöhte mechanische Belastbarkeit gewünscht ist.
  • Dämmstoff: Rockwool oder Isover Mineralwolle (nicht brennbar, Lieferung in passenden Mattenstärken).
  • Profile & Befestigung: CW-/UW-Profile von namhaften Herstellern, dazu spezielle Entkopplungsprofile oder schallentkoppelnde Schrauben.
  • Fugen-/Abdichtung: Intumeszierende Bänder (z. B. Promat), brandschutzsilikon und selbstklebende Dichtbänder.
  • Ein Tipp: Investieren Sie in eine sorgfältige Planung der Türöffnung. Eine schlecht gedämmte Tür ruiniert sonst das Ergebnis einer ansonsten guten Trennwand.

    Prüfung und Nachweis

    Für die Abnahme ist es sinnvoll, nach Ausführung Messwerte zu dokumentieren. Schallschutzmessungen (Prüfung nach ISO/EN-Normen) und Brandprüfzeugnisse der verwendeten Systeme sind oft Teil der Bauakte. Wenn Ihr Projekt in einem sensiblen Bereich liegt (z. B. Schallschutz über Standardanforderungen), beauftrage ich vorzugsweise ein akkreditiertes Labor für eine Nachweisführung.

    Was ich in der Praxis empfehle

    Planen Sie großzügig: etwas mehr Dämmstoff, zusätzliche Beplankungslagen und eine sorgfältige Abschottung kosten zwar mehr Arbeiterstunden und Material, zahlen sich aber in Brandschutz- und Schallschutzzertifikaten sowie im Wohnkomfort aus. Lassen Sie sich systemgeprüfte Lösungen vom Hersteller (Rigips, Fermacell, Knauf) zeigen und prüfen Sie, ob die gewählte Konstruktion für die geforderte EI- oder Rw-Klasse nachgewiesen ist.

    Wenn Sie möchten, kann ich Ihr Projekt gemeinsam mit Ihnen durchgehen: Ich prüfe die geplanten Anschlüsse, wähle geeignete Materialien und stelle sicher, dass die Ausführung den Anforderungen an Brandschutz und Trittschall entspricht. Kontaktieren Sie mich gern über das Kontaktformular auf unserer Website oder per E‑Mail.

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