Dämmung

Wie Sie eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten so planen, dass keine Feuchte und kein Schimmel entsteht

Wie Sie eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten so planen, dass keine Feuchte und kein Schimmel entsteht

Eine Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten ist eine sehr gute Lösung, wenn es darum geht, historische oder feuchteanfällige Außenwände zu dämmen, ohne die Bausubstanz durch Dampfbremse oder äußere Eingriffe zu belasten. Ich berichte hier aus der Praxis: wie ich Projekte plane, worauf ich achte, welche Fehler typisch sind und wie Sie Feuchte und Schimmel zuverlässig vermeiden.

Warum Kalziumsilikatplatten?

Kalziumsilikatplatten zeichnen sich durch hohe Sorptionsfähigkeit und kapillare Leitfähigkeit aus. Das bedeutet: sie nehmen Feuchte aus der Luft bzw. vom Mauerwerk auf, speichern sie und geben sie wieder ab, ohne dass sich Kondenswasser in der Dämmzone sammelt. Zudem sind sie diffusionsoffen, nicht brennbar und bieten guten Brandschutz sowie mechanische Stabilität für Wandverkleidungen.

Grundprinzipien der Planung

Bei einer Innendämmung geht es immer um das richtige Zusammenspiel von Baustoffen, Schichtaufbau und Feuchtehaushalt. Diese Fragen stelle ich zu Beginn jedes Projekts:

  • Wie ist der Zustand des Bestandsmauerwerks (feucht, salzbelastet, rissig)?
  • Wie hoch sind die gewünschten U‑Werte; welche Dämmwirkung ist realistisch?
  • Gibt es Wärmebrücken, Fensterlaibungen oder Anschlussdetails, die besonders anfällig sind?
  • Welche Nutzung hat der Raum (Wohnraum, Bad, Keller) und wie ist das Nutzerverhalten (Lüftungsgewohnheiten)?
  • Die Antwort auf diese Fragen bestimmt Dicke und Schichtaufbau der Kalziumsilikatplatten sowie ergänzende Maßnahmen wie Innendämmung kombiniert mit zusätzlicher Wärmedämmung oder Dampfsperren, die in der Regel vermieden werden sollten.

    Die hygrothermische Prüfung

    Bevor ich eine Innendämmung plane, führe ich eine hygrothermische Bewertung durch. Wichtige Punkte sind:

  • Temperaturverlauf durch die Wand (zur Vermeidung von Tauwasserausfall)
  • Wasserdampfdiffusion (sollte ungehindert sein, damit das System atmen kann)
  • Sorptionsverhalten der Kalziumsilikatplatten
  • Risiko von Salzschäden im Mauerwerk (bei salzbelastetem Mauerwerk ist Innendämmung oft problematisch)
  • Oft nutze ich einfache Taupunktbetrachtungen kombiniert mit Erfahrungswerten. Bei kritischen Fällen empfehle ich eine Simulation mit Programmen wie WUFI, vor allem wenn es sich um komplexe oder denkmalgeschützte Gebäude handelt.

    Schichtaufbau und Materialwahl

    Ein typischer Schichtaufbau von innen nach außen kann so aussehen:

  • Innere Oberputz- oder Endbeschichtung (atmungsaktiv)
  • Kalziumsilikatplatte (z. B. 20–60 mm je nach Anforderungen)
  • Leichtmörtel oder spezialisierter mineralischer Kleber
  • Bestandsmauerwerk
  • Wichtig: Ich verwende stets mineralische oder kapillarleitfähige Kleber und Putze. Kunststoffbasierte Kleber oder diffusionsgeschlossene Aufbauten können die Funktion der Kalziumsilikatplatten beeinträchtigen und die Feuchte in die Wand drücken – das führt langfristig zu Schäden.

    Typische Dicken und erzielbare U‑Werte (Orientierungswerte)

    Dicke KalziumsilikatplatteErwarteter Einfluss auf U‑Wert (bei typischer Ziegelwand)
    20 mmgeringfügige Verbesserung, ca. 0,1–0,2 W/(m²K)
    40 mmmoderat, ca. 0,2–0,4 W/(m²K)
    60 mmdeutlich, ca. 0,3–0,6 W/(m²K)

    Diese Werte sind nur Vergleichswerte. Die tatsächliche Verbesserung hängt stark vom Bestand und der Kombination mit weiteren Maßnahmen ab. Bei sehr schlechtem Mauerwerk kann eine Einzelmaßnahme Innendämmung allein nicht ausreichen.

    Worauf ich bei der Ausführung besonders achte

    Aus meiner Praxis sind das die wichtigsten Ausführungsregeln:

  • Sauberer, trockener Untergrund: Vor der Dämmung untersuche ich das Mauerwerk auf Durchfeuchtung, Salze und Risse. Feuchte Wände müssen vorab getrocknet oder Schäden beseitigt werden.
  • Kapillar leitfähige Kleber/Putze: Verwenden Sie einen mineralischen Dünn- bzw. Leichtmörtel, der kapillar leitfähig ist. Kunststoffkleber blockiert die Diffusion und kann zu Feuchtigkeitsansammlungen führen.
  • Fugen sauber und dicht ausbilden: Die Platten werden möglichst fugenarm verlegt, mit gespachtelten Stoßfugen und zusätzlichem Anstrich oder Putz, der atmungsaktiv ist.
  • Anschlüsse ausbilden: Fensterlaibungen, Sockelbereiche und Deckenanschlüsse sind besonders anfällig. Ich versorge diese Stellen mit zusätzlichen Plattenstücken und sorge für eine durchgehende kapillare Verbindung zur Wand.
  • Vermeidung von Wärmebrücken: Planen Sie Laibungen und Laibungsdämmungen ein, damit keine kalten Stellen entstehen, an denen sich Feuchte absetzt.
  • Prüfung von Elektro- und Rohrdurchführungen: Leitungen und Rohre dürfen keine Sperrschichten bilden. Bei Versorgungsschächten achte ich auf Dichtheit und ggf. zusätzliche Einblasdämmung.
  • Lüftung und Nutzerverhalten

    Kein Baustoff ersetzt korrektes Lüftungsverhalten. Ich erkläre meinen Kunden immer:

  • Regelmäßiges Stoßlüften schafft die besten Bedingungen, besonders nach dem Kochen oder Duschen.
  • Bei Neubauten oder stark gedämmten Beständen ist eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung sinnvoll.
  • Feuchtequellen in Innenräumen (Pflanzen, Aquarien, Trocknen von Wäsche) bewusst platzieren und lüften.
  • Besondere Herausforderungen: Kellermauern und salzbelastete Wände

    Kalziumsilikatplatten funktionieren gut bei feuchten, aber nicht zwangsläufig bei salzbelasteten Wänden. Bei Salzmigration steigt das Risiko, dass Putze ausblühen oder dass Materialien geschädigt werden. In solchen Fällen plane ich meist:

  • Eine sanfte Trocknung und Entsalzung des Mauerwerks vor der Innendämmung
  • Oder alternative Maßnahmen wie eine kapillar unterbrochene Innendämmung oder außenliegende Maßnahmen, falls möglich
  • Typische Fehler, die Feuchteprobleme verursachen

    Aus Erfahrung sind das die häufigsten Fehler, die zu Schimmel und Feuchte führen:

  • Verwendung von diffusionsdichten Klebern oder Farben
  • Unzureichende Putzanschlüsse an Fensterlaibungen
  • Feuchtes Mauerwerk ohne Vorbereitung gedämmt
  • Zu dünne Schichten, die keinen nennenswerten Wärmeschutz bieten und Temperaturschwankungen nicht abpuffern
  • Checkliste für Ihre Planung

  • Bestandsaufnahme: Feuchte, Salz, Schäden
  • Hygrothermische Bewertung (ggf. Simulation)
  • Materialwahl: kalziumsilikatplatten + mineralische Kleber/Putze
  • Dickenfestlegung nach gewünschtem U‑Wert und Raumtypen
  • Detailplanung: Anschlüsse, Laibungen, Sockel
  • Lüftungskonzept und Nutzerinformation
  • Qualitätskontrolle nach Ausführung (Messung, Sichtkontrolle)
  • Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen gern ein individuelles Angebot erstellen und vor Ort die notwendigen Untersuchungen durchführen, um eine sichere, schimmelvermeidende Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten zu planen. Bei Bedarf biete ich auch eine hygrothermische Simulation und die Koordination mit Putzern und Architekten an — so stelle ich sicher, dass Ihre Räume langfristig trocken, warm und gesund bleiben.

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