Decken & Wände

Wie Sie in mehrfamilienhäusern trennwände brandschutzgerecht und trittschalldämmend planen

Wie Sie in mehrfamilienhäusern trennwände brandschutzgerecht und trittschalldämmend planen

In Mehrfamilienhäusern sind Trennwände nicht nur Raumteiler – sie sind maßgeblich für den Brandschutz, die Wohnqualität und den Schallschutz verantwortlich. Aus meiner Erfahrung als Bautechnikerin und Unternehmerin im Innenausbau weiß ich: Wer frühzeitig richtig plant, verhindert spätere Probleme, Nachbesserungen und Streitigkeiten. In diesem Beitrag erkläre ich, worauf ich bei der Planung brandschutzgerechter und trittschalldämmender Trennwände achte und welche praktikablen Lösungen sich im Alltag bewährt haben.

Grundlagen: Was sind die relevanten Anforderungen?

Bevor ich mit Details beginne, kläre ich kurz die Normen und Begriffe, die ich bei jedem Projekt prüfe:

  • Brandschutz: In Deutschland sind die Anforderungen in der jeweiligen Landesbauordnung und einschlägigen Normen wie DIN 4102 bzw. europäischen Klassifizierungen (EN 13501) definiert. Wichtige Kennwerte sind Feuerwiderstandsklassen wie F30, F60, F90 (früher R30, R60 etc.) sowie Anforderungen an die Raumabschlussfähigkeit, Rauchdichtigkeit und Durchdringungen.
  • Schallschutz: Für den Luft- und Trittschallschutz gelten u. a. die DIN 4109 und in manchen Fällen die höhere Anforderung nach der sogenannten Schallschutzverordnung. Wichtige Größen sind der bewertete Luftschalldämmmaß R’w und der normierte Trittschallpegel L’n,w.
  • Schnittstellen: Besonders kritisch sind Übergänge zu Decken, Installationsdurchführungen und Anschlüsse an Treppenhäuser – hier gehen oft die besten Werte verloren, wenn Details nicht stimmen.
  • Materialwahl: Welche Baustoffe bevorzuge ich?

    Meine Praxiserfahrungen haben gezeigt: Es gibt keine Universallösung, aber bewährte Kombinationen.

  • Gipskarton-Systeme (z. B. Knauf): Schnell zu verarbeiten, kosteneffizient und in verschiedenen feuerwiderstandsfähigen Varianten verfügbar. Für höhere Anforderungen setze ich doppellagige Beplankungen ein – z. B. 2x12,5 mm GKF (Gipskartonfeuerschutzplatten).
  • Gipsfaserplatten (z. B. Fermacell): Höhere Masse, gute Tragfähigkeit und bessere Schallschutzwerte bei ähnlicher Aufbauhöhe. Besonders wenn Kombinationen mit Trockenestrich oder schweren Einbauten geplant sind, nutze ich Fermacell.
  • Holzständer-/Metallständerwerke: Beide bieten Vorteile. Metallprofile sind unempfindlicher gegen Brandverformung; Holzständer können mit geeigneter Bekleidung ebenfalls feuerbeständig ausgeführt werden (z. B. mit GKF-/Gipsfaserbeplankung).
  • Dämmstoffe: Mineralwolle (Stein- oder Glaswolle) ist meine erste Wahl für Feuer- und Schallschutz in Ständerwänden – nicht brennbar und gute akustische Eigenschaften. Bei speziellen Anforderungen nutze ich hochdichte Mineralwolle zur Verbesserung der Schalldämmung.
  • Typische Wandaufbauten und ihre Vor- und Nachteile

    Aufbau Brandschutz Trittschall/Luftschall Anmerkung
    Metallständerwerk mit 2x12,5 mm GKF + Mineralwolle F30–F90 möglich (je nach Beplankung) Gute Werte bei ordentlicher Fugenbehandlung Wirtschaftlich, flexibel
    Holzständerwerk mit Fermacell-Platten Gute Werte mit entsprechender Beplankung Sehr gut durch Masse der Platten Robust für spätere Befestigungen
    Massive Mauerwerktrennwand (z. B. Kalksandstein) Sehr gut, hohe Feuerwiderstandklasse Exzellenter Luft- und Trittschallschutz Platz- und kostenintensiver

    Details, die oft übersehen werden – und wie ich sie löse

    Gute Schalldämmung und Brandschutz hängen in der Praxis von den Details ab. Diese Punkte prüfe ich bei jedem Objekt:

  • Entkoppelung an Boden und Decke: Eine trennende Wand darf keine direkte starre Verbindung zur Rohdecke oder zum Estrich haben, die Schall überträgt. Ich verwende Entkopplungsstreifen oder spezielle Randdämmstreifen sowie mineralische Fugenmassen für den Brandschutz.
  • Durchdringungen sicher ausführen: Leitungsdurchführungen sind Schwachstellen für Rauch und Schall. Ich plane frühzeitig Schotts (Feuerschotts) und verwende geprüfte Abschottungsmaterialien (z. B. Brandschutzmanschetten, Brandschutzschaum, intumeszierende Bänder).
  • Fugen und Anschlüsse: Flexible Fugen mit geeigneten Brandschutz- und Schallschutzprodukten (intumeszierende Fugendichtungen, akustische Dichtstoffe) sind ein Muss. Hart ausgeführte Fugen zerstören den Schallschutz.
  • Installationen innerhalb der Wand: Verteilerkästen, Rohrleitungen und Lüftungskanäle müssen brandschutztechnisch berücksichtigt werden. Wenn möglich verlege ich Leitungen in Installationszonen außerhalb der trennenden Wand oder sorge mit geprüften Schotts für den Schutz.
  • Tipps zur Verbesserung des Trittschalls

    Trittschall wird gern unterschätzt, weil er sich erst nach Bezug des Hauses bemerkbar macht. Diese Maßnahmen wirken oft besser als erwartet:

  • Zwischenschichten wie ein schwimmender Trockenestrich (z. B. Fermacell Trockenestrich) oder eine akustische Entkopplung mittels Trittschalldämmplatten reduzieren übertragene Flanken deutlich.
  • Bei Holzbalkendecken ist eine zusätzliche masseerhöhende Schicht (z. B. Fermacell) in Kombination mit Entkopplungsstreifen sehr wirksam.
  • Aufpassen bei Steckdosen/Installationsdosen: Mehrere Dosen in einer Wand können Schallbrücken erzeugen. Ich platziere sie möglichst versetzt und dämme Hohlräume.
  • Praktische Planungs-Checklist, die ich jedem Projekt zugrunde lege

  • Abklärung der baurechtlichen Anforderungen (Landesbauordnung, Brandschutzklassen).
  • Schallschutzanforderungen mit Bauherrn und Architekt festlegen (Zielwerte für R’w und L’n,w).
  • Wandaufbau wählen: Material, Plattendicken, Dämmstoffdichte.
  • Details planen: Entkopplungen, Fugen, Durchdringungen und Anschlüsse.
  • Prüfzertifikate und Systemfreigaben einholen (z. B. ETA, Prüfzeugnisse für Brandschutzabschottungen).
  • Handwerker und Prüfstellen koordinieren: Brandschutzgutachten, Schallschutznachweise.
  • Marken und Produkte, die ich häufig verwende

    Ein paar praktische Hinweise zu Produkten, die sich in meiner Arbeit bewährt haben:

  • Gipsfaserplatten: Fermacell – gute Masse und Belastbarkeit, ideal bei hohem Schallschutzbedarf.
  • Gipskarton-Systeme: Knauf – breites Sortiment an Feuerschutzplatten (GKF) und speziellen Akustikplatten.
  • Dämmstoffe: Rockwool, Isover – geprüfte Mineralwolle mit guten Brandschutz- und Schallwerteigenschaften.
  • Abdichtung/Schotts: Promat, Hilti – Systeme für Abschottungen und Brandschutzdurchführungen.
  • Abschließende Hinweise aus der Praxis

    Ich empfehle, den Brandschutz und Schallschutz nie als „Zusatz“ zu betrachten. Investitionen in den richtigen Wandaufbau und saubere Detailausführungen zahlen sich langfristig aus – in Form von zufriedenen Mietern, weniger Reklamationen und sichereren Gebäuden. Wenn Sie möchten, schaue ich mir Ihr Projekt an und erstelle eine prüffähige Ausführungsempfehlung mit konkreten Materialvorschlägen und Kostenabschätzung.

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