Dämmung

Wie Sie mit ökologischer zellulose‑dämmung altbauwände ohne feuchteprobleme sanieren

Wie Sie mit ökologischer zellulose‑dämmung altbauwände ohne feuchteprobleme sanieren

Als Bautechnikerin und Unternehmerin im Innenausbau habe ich schon viele Altbausanierungen begleitet. Eine Frage, die mir besonders oft gestellt wird, lautet: Kann man Altbauwände mit ökologischer Zellulosedämmung dämmen, ohne Feuchteprobleme zu bekommen? Meine Antwort darauf ist ein klares Ja — wenn die Planung, die Materialwahl und die Ausführung auf die speziellen Besonderheiten von Altbauten abgestimmt sind. In diesem Beitrag schildere ich meine Erfahrungen, erkläre die physikalischen Hintergründe und gebe praktische Empfehlungen, damit Ihre Sanierung sicher und langlebig gelingt.

Warum Zellulosedämmung für Altbauten?

Zellulose ist ein ökologischer Dämmstoff, der aus recyceltem Zeitungspapier hergestellt wird. Typische Vorteile, die ich immer wieder sehe:

  • Gute Wärmedämmeigenschaften (Wärmeleitfähigkeit λ ≈ 0,038–0,041 W/mK).
  • Hygroskopische Fähigkeit: Zellulose kann Feuchte aufnehmen und wieder abgeben — das wirkt puffernede und reduziert kurzfristige Feuchtespitzen.
  • Diffusionsoffenheit: Zellulose hat einen niedrigen sd-Wert im Vergleich zu Kunststofffolien, wodurch Feuchteaustausch möglich bleibt.
  • Gute Schalldämmung und ökologische Bewertung (recycelte Rohstoffe, geringer Energieaufwand bei Produktion).
  • In Altbauten, die oft mit diffusionsoffenen Innenputzen und feuchteausgleichenden Mauerwerken gebaut sind, passen diese Eigenschaften sehr gut — vorausgesetzt, man vermeidet Sperrschichten, die die Feuchte in der Wand einschließen würden.

    Feuchteverhalten verstehen: Puffern statt blockieren

    Ein Fehler bei vielen Sanierungen ist das Einbauen einer dampfdichten Schicht (z. B. Plastikfolie) ohne Berücksichtigung der bestehenden Baustoffe. Das kann zu Kondensat in der Wand führen. Zellulose bietet hier oft einen Vorteil:

  • Zellulose nimmt Feuchte sorptiv auf und gibt sie bei trockenem Klima wieder ab — das reduziert das Risiko für lokale Kondensation.
  • Die Materialdichte von eingeblasener Zellulose (meist 40–70 kg/m³) verhindert zwar nicht vollständig Dampfdiffusion, aber sie verzögert und puffert Feuchtebewegungen.
  • Wichtig ist: Diese positiven Eigenschaften greifen nur, wenn die Wand insgesamt diffusionsoffen bleibt oder die Schichten so angeordnet sind, dass keine ungünstigen Taupunktsituationen entstehen.

    Innendämmung vs. Außendämmung bei Altbauten

    Bei Altbauten ist die Frage oft: außen dämmen (WDVS) oder innen dämmen? Beide Varianten haben Vor- und Nachteile:

  • Außendämmung (wenn möglich): schützt die Bausubstanz, verschiebt den Taupunkt nach außen und ist aus bauphysikalischer Sicht oft die sicherste Lösung. Aufwand und Denkmalschutz können aber dagegen sprechen.
  • Innendämmung (häufig bei Denkmalimmobilien oder bei Bauteilen mit historischem Fassadenbild): erfordert eine durchdachte Schichtung, diffusionsoffene Materialien und fachgerechte Ausführung, um Feuchteprobleme zu vermeiden.
  • Bei Innendämmungen setze ich gern auf offene Systeme: eine innenseitige, diffusionsoffene Vorsatzschale (z. B. Holzständer mit Zellulose oder Holzfaser) und eine atmungsaktive Innenoberfläche wie Kalk- oder Lehmputz.

    Praktische Ausführungsarten mit Zellulose

    Die gängigsten Methoden bei Altbauten:

  • Einblasen in Hohlräume: Bei zweischaligen Außenwänden kann Zellulose in den Zwischenraum eingeblasen werden. Wichtig sind dichte Riegelpunkte, fachgerechte Dosen und Kontrolle der Füllgrade.
  • Dämmung in Holzständerkonstruktionen: Bei Innenvorsatzschalen fülle ich die Felder dicht mit Zellulose (gefähre Dichte 45–60 kg/m³), anschließend diffusionsoffene Platten oder beplankte Konstruktionen und ein atmungsaktiver Innenputz.
  • Kerndämmung durch Bohren: Bei massivem Mauerwerk ist das möglich, erfordert aber vorherige Feuchteerfassung und fachgerechte Bohrtechnik, um Mörtelfugen nicht zu schädigen.
  • Bei jeder Methode gilt: sorgfältig arbeiten, damit keine Hohlräume, keine Lufteinschlüsse und kein Setzen der Dämmung entstehen. Ich kontrolliere oft mit thermografischen Aufnahmen und Endoskopie durch Probebohrungen.

    Worauf Sie besonders achten sollten

    Aus meiner praktischen Erfahrung entstehen Feuchteprobleme meist nicht wegen des Dämmstoffs selbst, sondern wegen fehlender Planung. Achten Sie auf:

  • Hygrothermische Analyse: Vorab Messtermine für Feuchte in Mauerwerk und langfristige Monitoring-Messungen sind sinnvoll.
  • Diffusionsoffene Schichtung: Verzichten Sie auf dampfdichte Folien zur Innenseite hin. Setzen Sie stattdessen auf diffusionsoffene Putze (Kalk, Lehm) und atmungsaktive Funktionselemente.
  • Detaillösungen bei Anschlüssen: Fensterlaibungen, Rohrdurchführungen und Sockel sind kritische Punkte. Hier müssen Anschlüsse wind- und dampfdicht, aber kapillar offen gestaltet werden.
  • Wärmebrücken minimieren: Konstruktive Details planen, damit keine lokalen Unterkühlungen entstehen, in denen sich Feuchte niederschlägt.
  • Schutz gegen Schlagregen an der Außenwand und ausreichende Außenentwässerung.
  • Brandschutz und Schädlingsschutz: Zellulose wird üblicherweise mit Boraten ausgerüstet (Brandschutz / Schädlingschutz). Gegebenenfalls prüfen wir alternative Brandschutzmaßnahmen.
  • Einfacher Prüf- und Entscheidungs-Workflow

    Wenn Sie mit mir ein Projekt starten, gehe ich in der Regel so vor:

  • Vor-Ort-Check: Sichtprüfung, historische Bauweise klären, Feuchtemessungen (Durchfeuchtungsprofile), Thermografie.
  • Analyse: Bestimmung der Feuchtequellen (Kapillar aufsteigende Feuchte vs. Schlagregen vs. Kondensation).
  • Hygrothermische Simulation (bei kritischen Fällen) oder konservative Regelentscheidung für diffusionsoffene Innendämmung.
  • Detailplanung: Anschlüsse, Lüftungskonzept, Materialliste (z. B. Zellulose von Herstellern wie ISOCELL als Beispiel).
  • Ausführung mit Qualitätskontrolle: Füllgradesicherung, Nachprüfung mit Thermografie.
  • Tabelle: Zellulose vs. Mineralwolle (Kurzvergleich)

    EigenschaftZelluloseMineralwolle
    Wärmeleitfähigkeit≈0,038–0,041 W/mK≈0,035–0,045 W/mK
    Diffusionsverhaltendiffusionsoffen, hygroskopischmeist diffusionsoffen, geringere Feuchtespeicherung
    Feuchtigkeits-Pufferguteingeschränkt
    Ökologierecyceltes Papier, niedriger Primärenergieaufwandhergestellt aus Rohstoffen mit hohem Schmelzaufwand
    Schallschutzsehr gutgut

    Typische Fragen meiner Kunden

    Ich beantworte hier kurz die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden:

  • Kann Zellulose schimmeln? Zellulose kann bei dauerhaft hoher Feuchte schimmeln wie jeder organische Baustoff. Wichtig ist deshalb, Ursachen für anhaltende Durchfeuchtung auszuschließen (aufsteigende Feuchte, Undichtigkeiten, Wärmebrücken).
  • Muss ich eine Dampfsperre einbauen? In den allermeisten Altbausanierungen mit Zellulose wähle ich keine vollflächige Dampfsperre zur Innenseite. Stattdessen ist eine diffusionsoffene Schichtung und ein Lüftungs-/Feuchtemanagement sinnvoll.
  • Wie lange hält Zellulose? Bei fachgerechter Ausführung jahrzehntelang. Regelmäßige Inspektionen bei kritischen Bauteilen sind empfehlenswert.
  • Ist das Einblasen schmutzig? Der Einbau erfolgt maschinell; es entsteht Staub, aber mit sauberer Arbeitsweise, Abdeckungen und Absaugung bleibt die Belastung gering. Ich sorge immer für sauberes Arbeiten und Nachreinigung.
  • Meine Empfehlung in einem Satz

    Wenn Sie Altbauwände ohne Feuchteprobleme mit ökologischer Zellulosedämmung sanieren möchten, dann planen Sie sorgfältig, setzen Sie auf diffusionsoffene Lösungen und prüfen Sie kritisch die Feuchteverhältnisse — dann profitieren Sie von einem ökologischen, pufferspeichernden und komfortsteigernden System.

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